Interview mit den MdB Frau Luise Amtsberg: Viele Frauen fliehen, weil sie in ihrer Heimat nichts überleben können

Interview mit der Bundestagsabgeordneten Frau Amtsberg der Grünen über Flucht und Rassismus.

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Luise Amtsberg (* 17. Oktober 1984 in Greifswald) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen und seit der Bundestagswahl 2013 Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

 

Carmen Aguilera: Frau Amtsberg, was denken Sie als Politiker über den Rassismus von der Lehrerin für Asylkindern, Auswandererkindern oder weil sie schwarze Hautfarbe haben, die unsere Schulen besuchen in Österreich und Deutschland? Eine Lehrerin hat ein Kind bestraft, nur weil das Kind Migrationshintergrund hat? Wo sind das Recht für diese Kinder?

Amtsberg : Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir sind uns darüber im Klaren, dass es innerhalb unserer Gesellschaft rassistisches Gedankengut, schlimmer aber noch, stellenweisen auch institutionellen Rassismus gibt. Diesen Umstand gilt es zu beseitigen und das betrifft durchaus noch mehr Bereiche. Wir stehen als grüne Bundestagsfraktion für eine offene und bunte Gesellschaft ein. Jede*r soll in unserer Gesellschaft einen Platz haben und das unabhängig von der Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung und/oder religiöser Zugehörigkeit.

Innerhalb der grünen Bundestagsfraktion ist Monika Lazar für diesen Themenbereich Antirassismus zuständig, auf deren Internetseite Sie alle parlamentarischen Initiativen, Pressemitteilungen und Treffen mit antirassistischen Bündnissen nachvollziehen können: http://www.monika-lazar.de/aktuelles/

Carmen Aguilera: Frau Amtsberg, welche ist ihre Meinung über die aktuelle Ziffer von IOM (“ International Organisation für Migration „), dass bis Juni 2016 mehr als 3,600 Flüchtlingen ins Mittelmeer gestorben sind?

Amtsberg : Wir sind der Meinung, dass Sterben auf dem Mittelmeer ein Ende finden muss. Es ist unsere humanitäre Verpflichtung als Europäer und Europäerinnen eine Lösung für das Leiden der Menschen zu finden, die sich auf dem Weg zu uns begeben.
Frau Amtsberg hat gemeinsam mit der grünen Bundestagsfraktion in der Vergangenheit mehrere parlamentarischen Initiativen zum Thema Seenotrettung verfasst.
Den letzten Bundestagsantrag zu dem Thema können Sie hier nachlesen:http://luise-amtsberg.de/bundestagsantrag-zur-seenotrettung/

Wir setzten uns nach wie vor für eine europäische Lösung in der Frage um die Aufnahme und Verteilung von Geflüchteten ein.

Hier sehen Sie einen Bundestagsantrag der grünen Bundestagsfraktion, der einen Rundumschlag versucht: http://luise-amtsberg.de/fluechtlingsschutz-und-faire-verantwortungsteilung-in-einer-geeinten-europaeischen/

Carmen Aguilera: Frau Amtsberg, was denken sie über die Flüchtlingsfrauen, die von Polizisten an der Grenze laut Amnesty International von Mazedonien, Türkei und Deutschland vergewaltigt worden sind? Welche Alternativen haben sie für diese Frauen?

Amtsberg: Dass Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt sind, ist ein desaströser Zustand. Dieser Umstand beginnt nicht erst auf der Flucht oder in der neuen Heimat, sondern ist oftmals Fluchtursache. Viele Frauen begeben sich gar nicht erst auf die gefährliche Fluchtroute, weil sie um die Gefahren auf der Flucht wissen. Jedoch begeben sich dennoch viele Frauen auf die Flucht, weil sie in ihren Heimatländern so nicht überleben könnten und dieser Umstand verdeutlicht noch einmal den Grad der Verzweiflung.

Wir bedauern deshalb sehr, dass der Familiennachzug durch die Bundesregierung eingegrenzt worden ist, der für viele Frauen und Kinder die Möglichkeit einer sicheren Einreise bedeutet.
Hier sehen Sie eine Stellungnahme von Frau Amtsberg: http://luise-amtsberg.de/asylpaket-aussetzung-von-familiennachzug-ist-integrationsfeindlich/

Wir sind in der Pflicht besonders vulnerable Gruppen zu schützen. Das Frauen und Kinder besonders unter der Situation von Ungewissheit leiden, zeigt sich an der griechisch-mazedonischen Grenze. Denn dort herrscht kein geregelter Zustand, der Gewaltsituation begünstigt. Wir sind daher fest davon überzeugt, dass ein geordnetes Verfahren bei der Aufnahme und Umverteilung notwendig ist und dass man im zweiten Schritt in den Aufnahmeländer geeinte Standards in den Unterkünften braucht, die sich mit Schutzräumen auseinandersetzen müssen.

Dazu Pressemitteilungen von Frau Brantner:http://www.franziska-brantner.eu/presse/zur-lage-fuer-frauen-und-kinder-an-griechisch-mazedonischer-grenze/http://www.franziska-brantner.eu/presse/schutzkonzepte-muessen-gesetzlich-verankert-werden/

Carmen Aguilera: Frau Amtsberg, welches werden ihre Lösungen und Alternativen in diesem Moment für die Flüchtlingspolitik in Europa?

Amtsberg : Dazu verweise ich auf den obengenannten Antrag.

Carmen Aguilera: Frau Amtsberg , ich habe einen 7 jährigen Sohn, der mich gefragt hat, warum die Kinder im Mediterranen gestorben sind? Mein Sohn hat im Radio gehört, dass die Kinder bei der Überfahrt gestorben sind? Welche Antwort können sie einen 7 jährigen Kind geben als Politiker? Sie wissen, dass die Kindern unseren Zukunft sind.

Amtsberg: Zu der Frage, weshalb Menschen auf dem Mittelmeer sterben, gibt es nur die traurige Wahrheit, dass Menschen in ihrer Verzweiflung den Weg über den Mittelmeer suchen, um in Europa ein besseres Leben zu finden.
Die Politik ist in der Verantwortung Antworten auf diese Fragen zu geben. Das heißt, die Politik muss einen Weg finden, erstens Fluchtursachen zu beseitigen und zweitens, solange es Fluchtgründe gibt, legale Wege zu finden.

Die Antworten, die ich Ihnen gebe und Sie wiederrum eventuell an Ihren Sohn weitergeben, sind vielleicht nicht vollends befriedigend, weil es das Sterben auf dem Mittelmeer nicht unmittelbar beendet. Aber was ich Ihnen damit verdeutlichen wollte, ist, dass wir tagtäglich mit diesen Fragen konfrontiert sind und nach Lösungsmöglichkeiten suchen, wie Sie aus den Anträgen entnehmen können. Wir dürfen die Augen davor nicht verschließen und sind in der Pflicht den Finger in die Wunde zu legen und der Bundesregierung immer wieder vor Augen führen, dass sie auf europäischer Ebene eine Lösung finden muss, denn ansonsten sind die Leidtragenden die Menschen auf der Flucht.

Carmen Aguilera: Vielen Dank, Frau Amtsberg für ihre Meinung.

 
Carmen Aguilera García

 

 

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